Fotonachweis: Natalya Chagrin
Jack Ridley, in London geboren, ist Dirigent und Pianist und wurde an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ausgebildet. Als Sohn zweier Schauspieler entdeckte er früh seine Leidenschaft für die Welt der Bühne und der Live-Performance. Seine musikalische Arbeit verbindet natürliche dramatische Sensibilität mit ausgeprägtem theatralischem Instinkt.
Zu den Höhepunkten der vergangenen Saison zählen The Gondoliers mit der English Touring Opera, das von der Kritik einhellig gefeiert wurde, The Big Opera Mystery sowie ein Konzert mit dem Orchestra of Opera North und eine Rückkehr zum Glyndebourne Festival für Billy Budd. Bei seinem Glyndebourne-Festivaldebüt 2023 sprang Ridley kurzfristig für The Rake’s Progress mit dem London Philharmonic Orchestra ein; sein Dirigat wurde für seine herausragende Klarheit und rhythmische Energie gelobt und vom Publikum, Ensemble, Chor und Orchester gleichermaßen begeistert aufgenommen. Seine langjährige Verbindung zu Glyndebourne umfasst darüber hinaus The Rape of Lucretia, Cendrillon, die ersten Glyndebourne Christmas Concerts sowie Phaedra (Film) mit dem Glyndebourne Touring Orchestra. Bei Opera North dirigierte er außerdem Ruddigore; für die English Touring Opera leitete er auch Tosca und Patience.
Bei Garsington Opera wurde Ridley für sein Debüt mit dem Leonard Ingrams Award ausgezeichnet und in den drei folgenden Spielzeiten erneut eingeladen. Seine Interpretation von Der fliegende Holländer für Persona Arts war maßgeblich an der Nominierung der Produktion für den Making Music Award 2025 beteiligt. Weitere Engagements führten ihn zur Welsh National Opera, Birmingham Opera und British Youth Opera. Als Assistenzdirigent sammelte er umfangreiche internationale Erfahrung an renommierten Häusern und Festivals in ganz Europa, darunter bei der Scottish Opera und dem Edinburgh International Festival (Breaking the Waves), der Nederlandse Reisopera (Hänsel und Gretel), der Drottningholms Slottsteater (La clemenza di Tito) und der Neuen Oper Wien (Punch and Judy).
Auch jenseits des Opernrepertoires entfaltet Ridley ein breites künstlerisches Wirken. 2023 wurde er zum Principal Conductor des Cinematic Orchestra of London ernannt. Er dirigierte Rory Pilgrims RAFTS, ein für den Turner Prize nominiertes Projekt, sowie Borka: The Goose with No Feathers beim Hay Festival, eine Verbindung von Musik, Puppenspiel und Multimedia. Auf dem Konzertpodium debütierte er zuletzt mit dem Hallé Orchestra und dem Orchester der Welsh National Opera. Weitere Engagements führten ihn zur Southbank Sinfonia, zur Polska Filharmonia Bałtycka, zum London Contemporary Orchestra und zum Haydn Chamber Orchestra; außerdem war er Gastdirigent von L’Orchestre QuiPasseParLà in Lausanne.
Als Pianist studierte Ridley bei John Barstow in London und Thomas Kreuzberger in Wien. Als Finalist des ersten Hans-von-Bülow-Klavierwettbewerbs spielte er unter anderem Beethovens c-Moll-Klavierkonzert vom Klavier aus mit der Meininger Hofkapelle. Sein Repertoire reicht von Beethoven bis Britten. Darüber hinaus war er als Vocal Coach und Korrepetitor für das Royal Opera House, die English Touring Opera und das Theatre Royal, Bath tätig. In Meisterkursen erhielt er Impulse von Martyn Brabbins, Pierre-André Valade und George Hurst; 2015 war er Seminarian beim Tanglewood Festival.
Ein wesentlicher Bestandteil von Ridleys künstlerischer Arbeit ist sein Engagement für musikalische Bildung und Teilhabe. Inspiriert von El Sistema und dem West-Eastern Divan Orchestra versteht er partizipatives Musizieren als integralen Bestandteil seiner Tätigkeit. Bei Garsington Opera dirigierte er im Rahmen der Bildungsinitiative Opera First eine Aufführung von Eugen Onegin für Schulkinder und arbeitete mit der Youth Company an Eliza and the Swans und The Selfish Giant sowie mit der Adult Company an The Bartered Brides, einer Neufassung von Smetanas Die verkaufte Braut. Weitere partizipative Projekte umfassen Wake (Birmingham Opera Company) sowie Der fliegende Holländer, dessen Chor vollständig aus Beteiligten aus den West Midlands bestand.
Als ausgebildeter Pädagoge mit PGCE und QTS leitete Ridley Jugendkonzerte mit dem Hallé Orchestra und der Welsh National Opera und dirigierte mehrere Kinderopern, darunter Silver Electra, The Casket Girl, The Great Stink und The Vanishing Forest. Darüber hinaus arbeitete er mit dem National Children’s Orchestra, der English National Opera, Into Opera und W11 Opera.
Ridleys Wirken spiegelt seine Überzeugung wider, dass Oper und Orchesterkunst nicht allein auf großen Bühnen gedeihen, sondern überall dort, wo Neugier, Zusammenarbeit und schöpferischer Mut lebendig sind.